2026-10-28 Aktuelle Nachrichten und Hintergründe aus Deutschland und der Welt.
Enge italienische Gasse mit historischen Gebäuden und wehenden italienischen Flaggen in der Sonne.

Italiens Kriegserklärung an Deutschland 1943: Warum die Kämpfe weitergingen

Am 13. Oktober 1943 erklärte die Regierung Pietro Badoglios dem Deutschen Reich den Krieg. Damit stellte sich das Königreich Italien nach dem Waffenstillstand mit den Alliierten offiziell auf deren Seite. Für die Menschen im Land bedeutete der Schritt jedoch kein Kriegsende: Deutsche Truppen hielten große Teile Italiens besetzt, und die Kämpfe gingen weiter.

Vom Sturz Mussolinis zum Waffenstillstand

Der Seitenwechsel hatte sich über Wochen entwickelt. Im Juli 1943 landeten alliierte Truppen auf Sizilien. Während der militärischen Lage Italiens Regierung zunehmend unter Druck geriet, setzte der Faschistische Großrat Benito Mussolini ab. König Viktor Emanuel III. ließ ihn am 25. Juli festnehmen und ernannte Marschall Pietro Badoglio zum Regierungschef.

Badoglios Regierung erklärte zunächst, Italien werde den Krieg an der Seite Deutschlands fortsetzen. Gleichzeitig führte sie geheime Verhandlungen mit den Alliierten. Am 3. September 1943 unterzeichneten beide Seiten in Cassibile auf Sizilien einen Waffenstillstand. Öffentlich bekannt gegeben wurde er erst am 8. September.

Die Bekanntgabe ließ viele italienische Soldaten ohne klare Befehle zurück. Die Vereinbarung regelte die Einstellung der Kämpfe gegen die Alliierten, aber sie beendete nicht automatisch den Krieg in Italien und löste auch nicht die Frage, wie die italienischen Streitkräfte sich gegenüber Deutschland verhalten sollten.

Die Chronologie des italienischen Seitenwechsels

  • 25. Juli 1943: Mussolini wird gestürzt und festgenommen. Badoglio übernimmt die Regierung.
  • 3. September: Italien und die Alliierten schließen bei Cassibile einen Waffenstillstand.
  • 8. September: Der Waffenstillstand wird öffentlich bekannt gegeben. Deutsche Truppen setzen die Operation zur Entwaffnung der italienischen Streitkräfte um und besetzen große Teile des Landes.
  • 12. September: Deutsche Fallschirmjäger befreien Mussolini aus seiner Haft auf dem Gran Sasso. Er wird später an die Spitze der von Deutschland abhängigen Italienischen Sozialrepublik gestellt.
  • 13. Oktober: Badoglios Regierung erklärt dem Deutschen Reich den Krieg.

Diese Daten beschreiben keinen reibungslosen Übergang von einer Kriegspartei zur anderen. Zwischen Waffenstillstand und Kriegserklärung lagen Besetzung, Entwaffnung und Kämpfe. Italienische Einheiten mussten sich regional unterschiedlich entscheiden oder wurden von deutschen Truppen überwältigt.

Warum Badoglio Deutschland erst am 13. Oktober den Krieg erklärte

Der Waffenstillstand vom September richtete sich gegen Deutschland verbündete Streitkräfte und öffnete den Alliierten den Weg für weitere Operationen. Eine Kriegserklärung an das Deutsche Reich war ein gesonderter politischer Schritt. Badoglios Regierung vollzog ihn am 13. Oktober, nachdem die italienische Führung die Zusammenarbeit mit den Alliierten weiter gefestigt hatte.

Die Erklärung änderte den Status Italiens und brachte es auf die Seite der Alliierten. Sie bedeutete aber weder, dass alle italienischen Truppen sofort gemeinsam mit den Alliierten kämpften, noch dass Deutschland die Besetzung aufgab. Die Alliierten stuften Italien zunächst als „Mitkriegführenden“ ein. Diese Bezeichnung spiegelte den Wechsel wider, ohne die unterschiedlichen politischen und militärischen Verhältnisse im Land zu überdecken.

Besatzung und Bürgerkrieg hielten den Krieg im Land präsent

Nach dem Waffenstillstand besetzte die Wehrmacht weite Teile Italiens. Italienische Soldaten wurden entwaffnet; viele gerieten in deutsche Gefangenschaft und wurden zur Zwangsarbeit deportiert. Andere schlossen sich dem Widerstand an oder kämpften an der Seite der Alliierten. Im Norden und in Mittelitalien unterstützte Deutschland Mussolinis neue Italienische Sozialrepublik, die gegen die Alliierten und italienische Partisanen vorging.

Für die Zivilbevölkerung bedeutete die Besatzung Unsicherheit und Gewalt. Menschen litten unter Kampfhandlungen, Repressalien, Deportationen und der Versorgungskrise. Fronten verschoben sich, während deutsche und alliierte Truppen um den Vormarsch durch die Halbinsel kämpften. Die Kriegserklärung konnte diese Lage nicht mit einem einzigen politischen Akt beenden.

Die Kämpfe gingen über den Oktober hinaus

Im Oktober 1943 stand die alliierte Front in Süditalien, während deutsche Truppen weiter nördlich Verteidigungsstellungen bezogen. Der Vormarsch der Alliierten über die Halbinsel blieb schwierig und kostete Zeit. Auch nach Badoglios Erklärung kämpften deutsche Einheiten gegen alliierte Truppen und italienische Kräfte, die sich ihnen angeschlossen hatten.

Der nächste wichtige militärische Einschnitt kam im Juni 1944 mit der Einnahme Roms durch die Alliierten. Auch das beendete die Kämpfe in Italien nicht: Die deutsche Wehrmacht hielt sich weiter im Norden, und die Befreiung des Landes zog sich bis 1945 hin. Der 13. Oktober 1943 markiert daher den offiziellen Kriegseintritt Italiens gegen seinen früheren Verbündeten – nicht den Frieden.

Quelle: Britannica

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