2026-09-29 Aktuelle Nachrichten und Hintergründe aus Deutschland und der Welt.
Historisches Gebäude des Polizeipräsidiums mit einem davor parkenden alten Auto und einem Motorrad.

Sonderausstellung in Düsseldorf: Queeres Leben im NS-Regime

Direkt am Burgplatz, im Herzen der Düsseldorfer Altstadt, bietet die Mahn- und Gedenkstätte Düsseldorf derzeit einen wichtigen Raum für die Auseinandersetzung mit einem oft übersehenen Kapitel der NS-Zeit. Die Sonderausstellung „gefährdet leben“ widmet sich der systematischen Verfolgung queerer Menschen im Nationalsozialismus und ist noch bis zum 30. August für die Öffentlichkeit zugänglich.

Fokus auf Einzelschicksale und lokalen Widerstand

Die Ausstellung basiert auf einer Wanderausstellung des Magnus-Hirschfeld-Instituts in Berlin, wurde jedoch vom Team der Gedenkstätte gezielt um Düsseldorfer Perspektiven erweitert. Im Zentrum stehen dabei nicht nur die juristischen Hintergründe wie der berüchtigte Paragraph 175, der homosexuelle Handlungen unter Männern unter Strafe stellte, sondern vor allem die konkreten Biografien der Betroffenen.

Die Kuratoren legen besonderen Wert darauf, den Blick über die staatliche Repression hinaus zu weiten. Besucherinnen und Besucher erhalten Einblicke, wie queere Menschen trotz der ständigen Gefahr durch Denunziation – ein durch Gestapo-Akten belegtes Phänomen – versuchten, ihr Leben zu gestalten und sich gegenseitig zu stützen. Die Ausstellung beleuchtet somit nicht nur das Leid, sondern auch den Zusammenhalt innerhalb der Community in einer Zeit totalitärer Ausgrenzung.

Ein historischer Lernort mit wechselvoller Geschichte

Der Veranstaltungsort selbst ist eng mit der Thematik verknüpft. Das Gebäude in der Mühlenstraße blickt auf eine über 400-jährige Geschichte zurück, die vom Jesuiten-Orden über eine Sternwarte bis hin zum Polizeipräsidium ab 1926 reicht. Wie Frederike Krenz, wissenschaftliche Mitarbeiterin und Leiterin Inklusion der Gedenkstätte, erläutert, wurden von diesem Standort aus in den ersten Monaten des Nationalsozialismus politische Gegner verfolgt. Dass die Gestapo und die SS 1933/34 zeitweise in diesem Gebäude untergebracht waren, unterstreicht die Authentizität des Ortes als Lernort. Interessierte können bei einem Besuch zudem den gut erhaltenen Luftschutzraum im Keller besichtigen.

Praktische Informationen für Ihren Besuch

Die Mahn- und Gedenkstätte Düsseldorf versteht sich als offener Lernort für alle Altersgruppen, von Studierenden bis hin zu Touristen. Der Eintritt ist grundsätzlich frei, was den Zugang zu dieser wichtigen historischen Aufarbeitung erleichtert.

  • Veranstaltungsort: Mahn- und Gedenkstätte Düsseldorf, Mühlenstraße, Düsseldorf (nahe Burgplatz).
  • Dauer: Die Ausstellung „gefährdet leben“ läuft noch bis zum 30. August.
  • Inklusion: Das Haus legt großen Wert auf Barrierefreiheit. Es gibt spezielle Angebote für Menschen mit Behinderungen, und die Gedenkstätte arbeitet kontinuierlich an der Bereitstellung von Ausstellungstexten in leichter Sprache. Führungen können individuell auf die Bedürfnisse der Besuchergruppen abgestimmt werden.

Für die Zeit nach dem 30. August plant die Gedenkstätte bereits die nächste Sonderausstellung, die ab November den Holocaust sowie die „Aktion T4“ in den Mittelpunkt rücken wird.

Quelle: Visit Duesseldorf Storys

Kommentare

Noch keine Kommentare. Seien Sie der Erste!

Weitere Geschichten