Berlin wählt am 20. September 2026 ein neues Abgeordnetenhaus. Die CDU geht mit dem klarsten amtlichen Vergleichswert in die Entscheidung: Bei der Wiederholungswahl 2023 erreichte sie 28,2 Prozent der Zweitstimmen und lag damit 9,8 Prozentpunkte vor SPD und Grünen. Der Wahltermin wird im amtlichen Wahlkalender der Bundeswahlleiterin geführt. Für die Prognose zählt, ob die CDU erneut den höchsten landesweiten Zweitstimmenanteil erreicht; die Bewertung endet bereits am 19. September.
Von der KO66-Redaktion | Stand: 1. September 2026
Die Prognose in fünf Punkten
- Frage: Erhält die CDU erneut den höchsten Zweitstimmenanteil in Berlin?
- Stichtag: Die Prognose schließt am 19. September 2026.
- JA: Die CDU liegt allein vorn oder teilt sich den höchsten Anteil.
- NEIN: Mindestens eine andere Partei erreicht einen höheren Anteil.
- Entscheidend: Das endgültige Ergebnis der Landeswahlleiterin für Berlin.
Nicht maßgeblich sind die spätere Koalitionsbildung, die Wahl des Regierenden Bürgermeisters oder der Regierenden Bürgermeisterin und die endgültige Sitzverteilung. Auch ein Regierungswechsel würde die Prognose nicht automatisch mit NEIN beantworten: Ausschlaggebend ist ausschließlich der Vergleich der gültigen Zweitstimmen im gesamten Land Berlin.
Das amtliche Ergebnis von 2023 setzt die Messlatte
Die Wiederholungswahl 2023 ist die einzige Vergleichsbasis dieser Prognose. Nach dem von der Landeswahlleitung veröffentlichten Ergebnis wurde die CDU mit 28,2 Prozent stärkste Kraft. SPD und Grüne folgten jeweils mit gerundet 18,4 Prozent.
| Partei | Zweitstimmenanteil 2023 | Abstand zur CDU |
|---|---|---|
| CDU | 28,2 % | – |
| SPD | 18,4 % | 9,8 Punkte |
| Grüne | 18,4 % | 9,8 Punkte |
| Linke | 12,2 % | 16,0 Punkte |
| AfD | 9,1 % | 19,1 Punkte |
| FDP | 4,6 % | 23,6 Punkte |
Die Tabelle verwendet die amtlich veröffentlichten, auf eine Nachkommastelle gerundeten Anteile. Bei SPD und Grünen war der Abstand untereinander äußerst knapp; für die Prognose ist jedoch entscheidend, dass beide deutlich hinter der CDU lagen.
Ein Vorsprung von 9,8 Prozentpunkten ist ein belastbarer Ausgangswert, aber keine Vorhersage für 2026. Wahlbeteiligung, neue politische Konflikte, veränderte Kandidaturen und die Mobilisierung in den zwölf Bezirken können die Verteilung der Zweitstimmen verschieben.
Eine aktuelle Berlin-Umfrage wird hier nicht als Vergleichswert angeführt. KO66 kann zum Stand 1. September 2026 keine jüngste Erhebung belegen, bei der Feldzeit, Stichprobengröße und Fehlertoleranz gemeinsam nachvollziehbar dokumentiert sind. Eine einzelne Prozentzahl ohne diese Angaben wäre für einen seriösen Vergleich ungeeignet.
Warum die stärkste Kraft nicht automatisch Berlin regiert
Die Zweitstimme misst die landesweite Unterstützung für die Parteien und beeinflusst wesentlich die Zusammensetzung des Abgeordnetenhauses. Sie beantwortet jedoch nicht allein, welche Parteien anschließend eine Regierungsmehrheit bilden.
Selbst wenn die CDU erneut stärkste Kraft wird, kann sie für eine Regierungsbildung auf mindestens einen Partner angewiesen sein. Umgekehrt könnte eine andere Partei den höchsten Zweitstimmenanteil erreichen, ohne anschließend den Regierungschef oder die Regierungschefin zu stellen.
Für die Prognose bleiben deshalb drei politische Vorgänge strikt getrennt:

- das landesweite Zweitstimmenergebnis,
- die Verteilung der Mandate nach dem Wahlrecht,
- die anschließenden Koalitions- und Personalentscheidungen.
Diese Trennung verhindert, dass ein späterer Koalitionsvertrag oder eine Bürgermeisterwahl rückwirkend als Maßstab verwendet wird. Das Ergebnis steht fest, sobald die Landeswahlleitung das endgültige Zweitstimmenergebnis veröffentlicht hat.
Wohnungsbau, Mieten und Verkehr prägen den Berliner Alltag
Die Wahl entscheidet nicht unmittelbar über einzelne Mietverträge oder Fahrpreise. Sie verändert aber die Mehrheiten, mit denen Berlin Gesetze, Haushaltsmittel und politische Prioritäten für die kommenden Jahre festlegt.
Bauen und Mieterschutz
Beim Wohnungsbau kann das Abgeordnetenhaus unter anderem Förderprogramme, Investitionen der landeseigenen Wohnungsunternehmen und Mittel für soziale Infrastruktur beeinflussen. Auch die Beschleunigung von Planungs- und Genehmigungsverfahren sowie der Umgang mit landeseigenen Grundstücken hängen von politischen Mehrheiten ab.
Bei Mieten sind die Zuständigkeiten zwischen Bund und Land geteilt. Berlin kann das bundesweite Mietrecht nicht beliebig verändern. Das Land kann jedoch über Wohnraumförderung, Zweckentfremdungsregeln, Milieuschutz, Belegungsbindungen und die Strategie seiner kommunalen Wohnungsunternehmen eigene Akzente setzen.
Die Parteien können sich daher sowohl beim gewünschten Bautempo als auch bei der Rolle öffentlicher Unternehmen, privaten Investitionen und zusätzlichen Schutzinstrumenten unterscheiden. Welche Maßnahmen tatsächlich umgesetzt werden, hängt später vom Koalitionsvertrag und vom verfügbaren Haushalt ab.
Bus, Bahn, Fahrrad und Straßen
Beim öffentlichen Personennahverkehr geht es um die Finanzierung der BVG, den Ausbau von Straßenbahn- und U-Bahn-Verbindungen, die Zuverlässigkeit bestehender Angebote und die Anbindung der Außenbezirke. Auch der Umgang mit Tarifzuschüssen und Investitionen in Bahnhöfe oder Fahrzeuge kann zum Gegenstand der Haushaltsverhandlungen werden.
Daneben entscheidet die Landespolitik über die Verteilung des begrenzten Straßenraums. Konflikte um Radwege, Parkplätze, Lieferverkehr und leistungsfähige Hauptstraßen betreffen Bezirke unterschiedlich. Das Wahlergebnis gibt deshalb eine politische Richtung vor, ersetzt aber nicht die späteren Planungs- und Beteiligungsverfahren.
Schulen, Sicherheit und Haushalt hängen an tragfähigen Mehrheiten
In der Bildungspolitik stehen Berlin und seine Bezirke vor langfristigen Aufgaben: Schulgebäude müssen saniert oder erweitert, Lehrkräfte gewonnen und digitale Ausstattung dauerhaft finanziert werden. Das Abgeordnetenhaus bestimmt den finanziellen Rahmen, während Bezirke und Schulverwaltungen viele Maßnahmen praktisch umsetzen.
Bei der inneren Sicherheit können Mehrheiten unter anderem die Personal- und Sachausstattung von Polizei und Feuerwehr, Befugnisse der Behörden, Präventionsprogramme sowie den Umgang mit Videoüberwachung und besonders belasteten Orten beeinflussen. Zwischen politischen Ankündigungen und sichtbaren Veränderungen liegt häufig ein längerer Zeitraum, weil zusätzlich Personal, Beschaffung und rechtssichere Verfahren erforderlich sind.

Über allen Vorhaben steht der Berliner Landeshaushalt. Zusätzliche Ausgaben für Wohnungen, Verkehr, Schulen oder Sicherheit konkurrieren miteinander. Einnahmen, Personalkosten, Schuldenregeln und bereits gebundene Mittel begrenzen den Spielraum der nächsten Koalition.
Die stärkste Partei erhält dadurch politischen Einfluss, aber keine alleinige Verfügungsgewalt über das Budget. Für größere Projekte braucht sie parlamentarische Mehrheiten. Gerade deshalb kann ein knapperes Ergebnis als 2023 die Verhandlungen über Prioritäten deutlich verändern, auch wenn die CDU formal erneut auf Platz eins landet.
So wird zwischen JA und NEIN entschieden
Die Landeswahlleitung veröffentlicht am Wahlabend zunächst vorläufige Zahlen. Diese können eine klare Richtung zeigen, lösen die Prognose aber nicht abschließend auf. Maßgeblich ist ausschließlich das später veröffentlichte endgültige Zweitstimmenergebnis für ganz Berlin.
JA gilt in zwei Fällen: Die CDU erreicht allein den höchsten Anteil gültiger Zweitstimmen oder sie liegt mit mindestens einer weiteren Partei exakt gleichauf an der Spitze. NEIN gilt, sobald mindestens eine andere Partei einen höheren Anteil als die CDU erzielt.
Ungültige Stimmen werden nicht in den Anteilsvergleich einbezogen. Direktmandate, Überhang- oder Ausgleichsmandate und die Frage, welche Koalition eine Mehrheit findet, verändern die Bewertung ebenfalls nicht.
Sollten vorläufige und endgültige Angaben voneinander abweichen, hat das endgültige Ergebnis Vorrang. Bei einem rechnerischen Gleichstand gilt die ausdrücklich festgelegte JA-Regel, unabhängig davon, wie die Sitzverteilung anschließend berechnet wird.
Welche Signale bis zum Wahltag Aussagekraft haben
Eine veröffentlichte Sonntagsfrage ist erst dann sinnvoll einzuordnen, wenn Institut, Erhebungszeitraum, Zahl der Befragten und statistische Fehlertoleranz genannt werden. Besonders kurz vor der Wahl können kleine Unterschiede innerhalb des üblichen Unsicherheitsbereichs liegen.
Für den Vergleich mit 2023 sind vor allem drei Fragen relevant:
- Bleibt der CDU-Vorsprung gegenüber der stärksten Konkurrenz deutlich größer als die Fehlertoleranz?
- Verändert sich die Unterstützung über mehrere Erhebungen hinweg oder nur in einer einzelnen Umfrage?
- Werden wahrscheinliche Wähler und die erwartete Wahlbeteiligung transparent berücksichtigt?
Das nächste belastbare Signal wäre daher eine vollständig dokumentierte Berlin-Umfrage. Die endgültige Antwort liefert erst die Landeswahlleitung nach der Wahl: Ihre Veröffentlichung der gültigen Zweitstimmen entscheidet, ob die CDU ihren ersten Platz von 2023 verteidigt hat.
Quelle: Die Bundeswahlleiterin
Kontext und Aktionen Über diesen Artikel
Quellenprüfung Grundlage der Prognose
Die Prognose wird ausschließlich anhand des endgültigen landesweiten Zweitstimmenergebnisses der Berliner Landeswahlleitung entschieden.
- Wahltermin mit dem amtlichen Wahlkalender abgeglichen
- Zweitstimmenanteile von 2023 mit dem Berliner Wahlportal abgeglichen
- Koalitionsbildung und Bürgermeisterwahl ausdrücklich ausgeschlossen
- Keine unvollständig dokumentierte aktuelle Umfrage verwendet
- Quelle
- Die Landeswahlleiterin für Berlin
- Umfang
- Berlin
- Aktualisiert
- 2026-09-01 12:23
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